Januar 31, 2010

in der Wartehalle.

eine unsystematische Meinung zur Causa Studienwahl-Massenfächer-Jobchancen

Publizistik-Studierende sind dumm. Und wer Politikwissenschaften macht, dem/der ist nicht mehr zu helfen. Und diese TheaterwissenschaftlerInnen – wer braucht denn die bitte?

Studierende, die sich a) für eines der so genannten Massenfächer und b) dabei nicht für Wirtschaft oder Jus entscheiden, wird ja landläufig Schwachsinn unterstellt. Sie würden mit ihrer Verlegenheitslösung die Institute unter Druck setzten, obwohl sie das ja nicht einmal wirklich studieren wollen. Und auch wenn sie es studieren, haben sie am Ende einen good-for-nothing Abschluss und brauchen sich nicht aufregen, wenn sie sich mit der Jobsuche schwer tun.

So ungefähr lässt sich die momentane Debatte im Bezug auf Studienwahl – Massenfächer – Arbeitsmarkt nachzeichnen. Die Schuldigen sind schnell identifiziert: Studierende (solche Trotteln, aber wirklich). Und zwei Lösungen sind in Sicht: Nummer eins: Zugangsbeschränkungen. Neben dem Argument der Nicht-Studierbarkeit von Studienrichtungen ob des ungeheuerlichen Ansturms kommt hier immer wieder das “so viele Publizistik-Studis brauchen wir ja nicht” -Arbeitsmarktargument zum Vorschein. Zugangsbeschränkungen sollen einen arbeitsmarkttechnschen Lenkungseffekt haben.

Lösung Nummer zwei: Bessere Studienwahlberatung. Die neue Wunderwaffe der HochschulpolitikerInnen aller politischen Lager soll das Problem Massenfächer an der Wurzel beheben und derart unorientierte und ziellose Studierende schon vor dem Eintritt in die Hochschule zu zielstrebigen jungen Menschen machen. Weil die studieren ja nur Publizistik, weil sie ihre Möglichkeiten nicht kennen.

Ich bin da ja skeptisch. Erstens find ich es immer absonderlich, wenn Leute, die sich der “unsichtbaren Hand” verpflichtet fühlen plötzlich von Lenkungsnotwendigkeiten der Studierendenströmen sprechen. Abseits dieser Schizophrenie wird in der Diskussion weder festgehalten, dass unser Arbeitsmarkt mit Sicherheit nicht selbstregulierend funktioniert, oder dass kurzfristige Zulieferungssteuerungsmechanismen (was z. B. arbeitsmarktbezogene Zugangsregelungen wären) einfach nicht besonders sinnvoll (weil kaum planbar) sind.

Auf der anderen Seite glaube ich auch nicht, dass eine verbesserte Studienwahl (und versteht mich nicht falsch, Verbesserungspotential gibts hier auf alle Fälle) das “Massenfächer-Problem” lösen wird können. Eine gut vorbereitete Studienwahl soll nach Meinung Vieler auf die zukünftige Berufslaufbahn abgestimmt sein.  Jetzt taucht spätestens im 21. Jahrhundert aber insofern ein Orientierungsproblem auf, als 1) zwar die Wirtschaft wächst, die Anzahl der Jobs aber nicht in gleichem Maße, 2) viel mehr Menschen als vor 20 Jahren Matura bzw. einen Hochschulabschluss haben, 3) sich der Arbeitsmarkt sich sowohl in den Jobmöglichkeiten als auch in den Anstellungsformen diversifiziert hat, aber auch 4) prekärer wurde.

Das Versprechen, dass ein Hochschulabschluss sozialen Aufstieg (oder einfach gute Berufsaussichten) mit sich bringt, wird nicht eingehalten. Nichts desto trotz sind jene, die in der Bildungsleiter weiter unten stehen, noch viel mehr am Arsch. Deshalb bleibt den 18 oder 19 Jährigen mit Matura auch heute kaum was anderes übrig, als sich in einem Hochschulstudium zu versuchen.

SchülerInnen (bzw. deren Eltern) lernen sehr früh, dass ohne Bildungstitel gar nichts geht – wer keine Matura machen will, kann sich quasi gleich eingraben. Die Studienwahl, die anschließend getroffen wird, ist prinzipiell ja nicht schlecht vorbereitet, sondern einfach Resultat einer Orientierungslosigkeit. Entweder, Studierende haben bestimmte Berufsfelder mit entsprechendem sozialen Status vor Augen – die rennen den Wirtschaftsunis, juridischen Fakultäten und Medizin-Aufnahmetests ja eh die Türen ein. Alle anderen suchen sich dann halt irgendetwas aus, wovon sie zumindest glauben, dass es ihnen Spaß machen könnte.

Das Studium selbst wird dann in den wenigsten Fällen als fachliche Vorbereitung für einen Beruf gesehen. Vielmehr verschafft es den Studierenden mehr Zeit, sich am Arbeitsmarkt umzusehen, verschiedenen Felder kennen zu lernen, 3, 4, oder 5 Jahre vielleicht den eigenen Interessen wissenschaftlich nachgehen zu können und am Ende mit einem Titel dazustehen.

Wenn mensch sich also grundsätzlich überlegt, warum so viele Studierende Massenfächern belegen, sollte zu Beginn einmal gefragt werden, welche Alternativen für diese Studierenden überhaupt möglich sind. Die Arbeitsmarktsituation sagt “keine”, und das muss in der Diskussion erst mal akzeptiert werden. (Dasselbe mit dem “schneller Studieren” – Argument. Wer will denn schon, dass die Leute, die grad in der tertiären Ausbildung geparkt sind, schneller auf den Arbeitsmarkt drängen? Jene, die für Arbeitslosenstatistiken verantworltich sind, sicher nicht). Die Unternehmen warten nicht mit offenen Armen auf AbsolventInnen, die Schuld des Versagens am Arbeitsmarktes mit der falschen Studienwahl zu begründen macht es den politisch Verantwortlichen zu leicht.

Wenn also Ulrich Beck (ich weiß, ich weiß, viele von euch finden den doof) sagt, dass Studierende ein bisschen wie Wartende in der Wartehalle eines Geisterbahnhofes sind, hat er damit nicht unrecht. Auf welchem Gleis wir dabei stehen, macht dabei keinen großen Unterschied mehr.

“In nur geringfügiger Übertreibung und Zuspitzung kann man sagen, daß die von Arbeitslosigkeit betroffenen Teilbereiche des Bildungssystems heute mehr und mehr einem Geisterbahnhof gleichen, in dem die Züge nicht mehr nach Fahrplan verkehren. Dennoch läuft alles nach den alten Mustern ab. Wer verreisen will -und wer will schon zu Hause bleiben, wo das Zuhausebleiben Zukunftslosigkeit bedeutet-, muß sich in irgendwelche Warteschlangen zu den Schaltern einreihen, an denen Fahrscheine für Züge vergeben werden, die meist sowieso überfüllt sind oder nichts mehr mit der ausgezeichneten Zielrichung abfahren. Als sei nichts geschehen, verteilen die Bildungsbeamten hinter den Fahrkartenschaltern mit großem bürokratischen Aufwand Fahrkarten ins Nirgednwohin und halten die sich vor ihnen bildende Menschenschlange mit der “Drohung” in Schach: “Ohne Fahrkarten werdet ihr nie mit dem Zug fahren können!” und das Schlimme ist, sie haben auch noch recht…!” (Ulrich Beck, Risikogesellschaft, Franfurt am Main 1986, S. 238)

Vielleicht ist er eher schlechter Poet als Soziologe, aber zumindest der Absatz war recht weitblickend.

Die Studierenden in Massenfächern wissen sehr genau über ihre prekäre Situation bescheid. Sie leben als Studierende von prekären Jobs, und sie wissen, das sich das, wenn sie einmal fertig sind, nicht bedeutend verbessern wird. Dass das aber nicht an ihnen, sondern einer gesellschafltichen Entwicklung liegt, muss in Zukunft deutlicher ausgesprochen werden.

Januar 25, 2010

Gö, wirklich?

Warum braucht eine Partei 3 Monate, um aus einer Wissenschaftssprecherin eine Wissenschaftsministerin zu machen?

Am Mittwoch wäre es drei Monate geworden, dass Österreich ohne Wissenschaftsminister_in dagestanden wäre. Gio Hahn hat den Ruf aus Brüssel im November erhört und war in den letzten Monaten mit Hearingsvorbereitung beschäftigt – es sei ihm ja vergönnt, sich für einen Beruf auch einmal zu qualifizieren. Währenddessen gähnte in der österreichischen Hochschulpolitik die Leere. Und gähnte, und gähnte, und gähnte. Auch wir gähnten. In den Arbeitsforen des Hochschuldialogs, die Output des öfteren vermissen ließen. Oder während wir dem Fortschritt im österreichischen Hochschulsystem zusahen.

In etwa derselben Geschwindigkeit wie Gras wächst, finden in der ÖVP Entscheidungsfindungsprozesse statt. Schließlich hat sich Josef Pröll durchgerungen, die ÖVP Wissenschaftssprecherin zur neuen Wissenschaftsministerin zu machen. Was muss das auch für eine schwere Entscheidung gewesen sein! 3 ½ Kandidaten (!) sollten sie gehabt haben – einen Rektor mit Grünstich, einen Finanzstaatssekretär mit zweifelhafter Kompetenz und einen Versorgungsposten-Inhaber. Und offenbar eine halbe Wissenschaftssprecherin. Eine schwere Geburt.

Gut, seis drum, die Hoffnung der Politik, dass ohne Verantwortliche, die die Studierendenbewegung angreifen kann, der Protest im Sand verlaufen würde, war ohnehin realitätsfern. Genau an dieser Realität aber wird auch Beatrix Karl zukünftig gemessen werden. So real, wie der Leistungsdruck der auf den Studierenden lastet, die prekären Lebensverhältnisse der Studierenden und die Studienbedingungen vielfach unerträglich sind, wird Karl Lösungen bringen müssen. Lösungen, die zu einem Großteil an einem dicken Batzen Geld, der für die Hochschulen bitter nötig ist hängen.

PS: Wir freuen uns, dass eine Frau dieses strukturell männerdominierte Ressort übernimmt. Wir werden sie nach ihrer Leistung beurteilen, dasselbe wünschen wir uns von allen anderen. Wir wollen kein „sie ist so sozial kompetent“, „sie ist einfühlsamer als ihre Vorgänger“, „sie trägt ein hübsches Kostüm“.  Da geht uns das G’Impfte auf.

Dezember 15, 2009

brand eins in zahlen

zum schwerpunkt kultur in der letzten ausgabe (12/2009):

Autoren: 12
Autorinnen: 2

genannte Künstler: 94
genannte Künstelrinnen: 12

gezeigte Kunstwerke, die von einem Mann gemacht wurden: 21
gezeigte Kunstwerke, die von einer Frau gemacht wurden: 1

Fotos, die Männer zeigen: 28
Fotos, die Frauen zeigen: 6

“Experten” und männliche Personen, die in den Texten vorkommen/zitiert werden: 75
“Expertinnen” und weibliche Personen, die in den Texten vorkommen/zitiert werden: 24

ist das eigentlich euer ernst?

ps: zur  zählweise: bei fotos im magazin wurde die darstellungsintention berücksichtigt. wenn z.b. ein bild von rembrandt eine frau darstellt, der untertitel jedoch “rembrandt” lautet, habe ich es nur als “bild eines künstlers” gewertet. zählungen der künstlerInnennamen habe ich in jedem artikel neu begonnen, jedoch pro künstlerIn und artikel nur ein mal. ebenso bei expertInnen.
mir sind sicher fehler unterlaufen, aber die richtung ist wohl nicht auf flüchtigkeitsfehler zurückzuführen.

den blog-eintrag hab ich auch als leserInnenbrief an die brand eins redaktion geschickt.

Dezember 8, 2009

wenn ich dichten könnte

wär so vieles leicht
an verregneten tagen
bräucht mensch sich nicht zu fragen
was mensch tun sollt

denn an solchen tagen
sind derartige fragen
hundsgemein.

und ich schließ die augen
beginn zu staunen
wie schön es ohne welt ist
wie der regen meine sorgen frisst

bis einer der regen auf meine brille tropft
ich den mantel zuknöpf
und beginn schneller zu gehn.

wenn ich dichten könnte, müsste das alles nicht sein, bild ich mir ein.

November 22, 2009

koch-cocooning?

über profi-hobbyköchInnen, unter-sich-bleiben und witzige kulinarische online-lektüre.

mein gott, muss das (arbeits)leben vieler menschen fade sein (begann sie den blogeintrag polemisch). so viel wert auf “freizeit” ist wohl noch in keiner epoche gelegt worden, und hin und wieder kommt das gefühl auf, dass das manische suchen nach einem hobby ungeahnten stress hervorruft. ohmeingottichmusswasbesonderesmitmeinemlebenanfangenbloßwas?

sehr en vogue scheinen momentan diverse ausprägungen von extremsport (ich wett, ihr kennt auch wen, der/die wen kennt, der/die grad auf irgendeinen triathlon trainiert). für jene mit weniger ausgeprägtem selbsthass bleibt dann das metier des kreativen (tanzen, schreiben, malen, lesen, musik und so weiter), wobei aktuell die profi-hobbyköchInnen wie pilze aus dem boden schießen. und ich möchte gerne eine von ihnen werden.

profi-hobbyköchInnen.

profi-hobbyköchInnen, das sind leute, die zu hause einen gasherd haben. und eine stielkasserolle aus kupfer (oder 2). die die rindsschulter bei der biobäuerin kaufen und mit ihrem käse-händler per du sind. und es geht nicht darum, paul bocuse den rang abzulaufen, nein, nein, sondern einfach locker lässig mit qualitätsvollen zutaten sich selbst entdecken. der herausforderung stellen. um dann von erfolgreichen kämpfen jahrelang zu reden (“weißt noch, der kalbsbraten bei deinem geburtstag vor 2 jahren?”).

das ziel beschäftigt mich seit einem kinoabend mit julia child und ihrer bloggenden kochbuch-fanatin julie powell (großartiger film!). ich meine, was ist das für eine geniale idee, jedes einzelne rezept eines kochbuchs auszuprobieren und darüber zu bloggen? ich verließ das kino mit dem festen entschluss, mein studium aufzugeben und ein restaurant zu eröffnen. an dieser front sind momentan nur geringe fortschritte zu vermelden.

es scheitert an der zeit, am zeitmanagement und den ressourcen – keinesfalls am willen: zum beweis hab ich mir eine kartoffelpresse und ein kochbuch gekauft. und viel darin gelesen. darüber hinaus mir von youtube gemüseschneiden beibringen lassen. und die großmütter von bekannten genötigt, kartoffelteig-geheimnisse preiszugeben.

wessen küche?

jetzt ist das aus sozologischer sicht schon auch spannend. zu hause gerne kochen für freundInnen – cocooning meets traditionalismus? nicht ganz. das kochen der profi-hobbyköchInnen ist relativ simpel, kreativ und oft zeitaufwändig. vor allem aber ist es ein kommunikatives hobby – ich stell mich doch nicht 5 stunden in die küche, um dann allein zu essen. es ist ein weg, sich anerkennung zu holen und sich zeit für die sorgfältige zubereitung eines produkts zu nehmen.

das hat nichts mit dem kochen zu tun, wie es omas und mamas halbe jahrhunderte gemacht haben – jeden tag aufstehen und eine familie kostengünstig zu versorgen hat nichts mit diesem neuen bobo-hobby gemein. gerne zu kochen muss mensch sich leisten können. das heißt, sich entscheiden zu können, ob mensch kochen will oder nicht.

herd-exhibitionismus 2.0

ich will. meistens zumindest. und viele andere wollen auch. jetzt hat sich dieses neue gehobene-mittelschicht-hobby natürlich auch aufs internet ausgebreitet. food blogging ist en vogue wie noch nie. die jungen kreativen kehren ihr cocooning zumindest virtuell ins gegenteil und palavern über osso bucco, was das zeug hält. in jedem fall treiben sich aber in diesem blog-segment einige ungemein lesenswerte zeitgenossInnen herum

ms marmite lover zum beispiel. das ist eine alleinerziehende mutter, arbeitslose aus der kreativbranche (fotografin, glaube ich) sowie begeisterte köchin, die aus der not eine tugend gemacht hat: ihren lebensunterhalt verdient sie im “underground restaurant” – ihrem wohnzimmer, das sie kurzerhand zu einem improvisierten lokal umgebaut hat. sogar der orf  hat darüber berichtet. besonders lesenswert: das harry potter dinner. es gab treacle tart, butterbeer, sherbet lemons und einen tollen draco malfoy.

und auch peppinella kocht dir was. auf der suche nach deutschsprachigen food blogs bin ich durch zufall auf ihren gestoßen. und habe mich bei der lektüre ihres blogs köstlich amüsiert (10 euro in die schlechte-wortwitz-kassa, ich weiß) besonders der beitrag über unvollendete koch-symphonien ist ganz großartig. leidenschaftliches kochen zwischen herrn peppinello, den kleinen peppinellis und oma peppinella.

für weitere lesetipps bin ich dankbar. und wer weiß, vielleicht mutiert auch mein blog irgendwann mal zu einem unheimlich tollen und witzigem rezept-sammelsurium samt spritzigen anekdoten rund herum. irgendwann mal. bestimmt.

November 3, 2009

how to referat

mein gesamter 2. studienabschnitt besteht aus prüfungsimmanenten lehrveranstaltungen. das ist einerseits gut, weil wenig massenabfertigung und diskussionen möglich, andererseits schlecht weil zeitbudget naja und viel zu oft miese didaktik.

oft hab ich mich ja schon über die unsitte beschwert, dass lv-leiterInnen sich in einem referatsmarathon durchs semster wälzen, falls es noch nicht durchgedrungen ist: liebe lehrende, das ist KEINE didaktik!

auf der anderen seite hab ich mich fast noch öfter über schlechte referate von studierenden geärgert, in denen kein funken mühe steckte. gut, wenn mensch 7 referate im semester halten muss, nutzt mensch mit der zeit auch ab, aber auch ohne viel  zeitaufwand wär ne mündliche präsentation nicht so schwer zu machen. hier ein paar anregungen für die streberInnen unter uns:

1) es gibt einen grund, warum lv-leiterInnen seminararbeiten VOR dem referatstermin verlangen. nicht nur, dass faule studis wie ich die abgabe dann nicht 5 semester hinauszögern, nein, die inhaltliche vorbereitung auf das referat ist wirklich besser. falls ihr das noch nie gemacht habt, versuchts mal – 100 zu 1.

2) verschiedene präsentationsmedien haben haben unterschiedlichen nutzen. wenn exakt dasselbe im powerpoint, auf den handouts und auf der vortragsunterlage steht, bringt sich die sache wenig. hier ein kleines how-to:

a) powerpoint: gebt den leuten einen grund, hinzusehen! dh, es müssen visuelle anreize geschaffen werden, die am handout nicht gelingen würden und der illustration des gesprochenen dienen (grafiken mit lesbaren beschriftungen, fotos, dokumente…). die keep-it-short-and-simple-regel solle sich eigentlich schon allen eingebrannt haben, aber mensch weiß ja nie, deshalb noch mal: weniger ist mehr. nur was unbedingt zur orientierung da sein muss, kommt ins ppt!

b) vortragsunterlage: die ist fast so wichtig wie der vortrag selbst. da soll abgestimmt auf die folien der kluge input drauf – also hard facts, jahreszahlen, argumente, hintergründe und so weiter. ein spannendes referat beginnt mit der frage “kann ich meinem publikum etwas neues erzählen und beibringen?” -  und das soll im idealfall dann mit dem gesprochenen wort passieren. ein umfassendes runterbeten des seminararbeits-inhaltes bringt weniger als die auswahl prägnanter beispiele zur illustration des gesamten themas. und genau deshalb taugt auch die vorher geschriebene seminararbeit NICHT als vortragsunterlage. schreibt was neues!

c) handout. völlig unterschätztes medium in der referatsgestaltung. im idealfall ersetzt es für eure faulen zuhörerInnen das mitschreiben, für euer engagiertes publikum lässt es platz zum notieren eigener gedanken/fragen und verfügt über hinweise zu weiterführender literatur. in KEINEM fall ist es der ausdruck der powerpoint-folien.

3) üben! egal, wie oft ihr schon referate gemacht habt, wie sicher ihr frei sprecht, wie gut ihr euch in dem thema auskennt – übt das referat gefälligst, bevor ihr es anderen leuten zumutet! erst im gesprochenen wort stellt sich heraus, ob ihr selbst vor langeweile einschläft oder der aufbau zur vermittlung der inhalte taugt. und ob es nicht doch ein weeeeeenig zu lang ist.

4) haltet euch an zeitbegrenzungen. zum wohle der allgemeinheit. und auch was für lehrende: referate, die länger als 25 minuten dauern, enden für alle beteiligten im 0/8/15 seminar meistens in einer multiplen katastrophe.

klugscheiß ende.

Oktober 22, 2009

solidarität heißt widerstand!

normalerweise hab ichs ja nicht so mit nullachtfünfzehn-phrasen, heut passen sie aber. weil.

audimax besetzung

seit dem frühen nachmittag ist der audimax der uni wien besetzt – ausgehend von einer initiative der studierenden der akademie der bildenden künste wurde im zug einer demo heute spontan der größte hörsaal wiens zur besetzten zone erklärt. das ist wundervoll! denn erstmals seit langem regt sich bei studierenden wieder das bedürfnis, ihre eigenen anliegen lautstark und gewichtig zu artikulieren.

die novelle des universitätsgesetztes wurde mehr oder weniger still und heimlich während der sommermonate beschlossen – dass dort die möglichkeit eingeräumt wurde, in praktisch allen fächern zugangsbeschränkungen einzuführen, konnte nicht hinreichen kommuniziert werden, um breiten widerstand zu erzeugen. seit mehreren wochen nun erzeugt die presse von wissenschaftsministerium und uniko aber ein bild von universitäten, das einem katastrophenszenario gleicht. oh mein gott, so viele studierende, das GEHT ALLES NICHT, hilfe hilfe, wird da getönt. und die einzig mögliche antwort gebetsmühlenartig in presseaussendungen verwurstet: studiengebühren! zugangsbeschränkungen!

heute wäre der große tag gewesen: hahn hat sich mit einigen rektoren getroffen, um über die eierlegende wollmilchsau zugangsbeschränkungen zu “verhandeln” (über eine tatsache zu “verhandeln”, die beide seiten aus ideologischen gründen UR SUPER finden ist eigentlich faktisch nicht möglich) – um 18:00 war die pressekonferenz von hahn und badelt. (die ergebnisse hier)

aber wen juckt das jetzt – über 1000 studierende haben die uni zumindest für heute nacht zu ihrem freiraum gemacht. der audimax ist voll von leuten, die es nicht länger hinnehmen wollen, von rektoraten und wissenschaftsministerium wie der letzte dreck behandelt zu werden. sie fordern bessere studienbedingungen, bildung, die nicht dem primat der ökonomischen verwertbarkeit folgt, freien hochschulzugang für alle und gute beschäftigungsverhältnisse für lehrende.

das rektorat der uni wien versucht indessen, die studierenden auseinanderzudividieren. aus dem standard artikel liest mensch folgende aussage einer rektoratssprecherin: “Die StudentInnen sind zwischen verzweifelt und wütend”, berichtet sie, die Telefone in den Beratungsstellen liefen auf Hochtouren. „Wir haben alle Hände voll zu tun, den StudentInnen das zu erklären”. ich bin nicht so naiv zu behaupten, dass alle studierende es super finden, wenn statt ihrer vorlesung ein besetzter hörsaal auf sie wartet.

chuck norris

aber: die studierenden wären in einer vorlesung im AUDIMAX der uni wien gesessen. da gehen meines wissens mehr als 1000 studierende rein (sitzplätze, wohlgemerkt). von solchen vorlesungen hat im normalfall keinE StudentIn was außer rückenschmerzen. Massenabfertigung, keinen Platz in der Lehrveranstaltung kriegen, Knock-Out Prüfungen, schlechte Studienbedingungen – das sind keine individuellen probleme. und die lassen sich auch nicht durch individuell zielstrebiges studieren lösen, sondern nur durch gemeinsames vorgehen.

das rektorat der uni wien versucht mit solchen aussagen die studierenden zu spalten, in die bösen besetzerInnen und die fleißigen, armen, die leider heute nicht lernen können. auch zugangsbeschränkungen erreichen nichts anderes als eine gedankliche einordnung in “ich”  und “die person, die mir meinen platz wegnimmt”

doch nur gemeinsam können wir studierenden eine verbesserung unserer situation erreichen. da hilft weder ellbogentechnik, noch ein, zwei presseaussendungen. unsere probleme lösen politische entscheidungen. und auf die strategie von ministerium und universitätenkonferenz, uns zu erklären, dass nur die besten gut genug für ein hochschulstudium sind, dürfen wir nicht hineinfallen.

deshalb sind tage wie heute wichtig, deshalb bringen gemeinsame proteste was. sie zeigen, dass studierende sich nicht für blöde verkaufen lassen, ideale haben, dafür eintreten und sich dabei den spaß an der sache “hochschulstudium” nicht nehmen lasen werden. in dem sinn heißt solidarität heute widerstand, in die ubahn setzen und sich im vorübergehend besetztem audimax endlich mal selbstbestimmt auszubreiten.

mehr infos:

www.unbeschraenktstudieren.at – hp des vsstö, die umfassend über zugangsbeschränkungen und das neue universitätsgesetz informiert

www.malen-nach-zahlen.at – die homepage der initative der studierenden an der akademie der bildenden künste

www.freiebildung.at – (studi)-initiative, die sich immer wieder durch aktionen äußert und inhaltliche arbeit zum  thema hochschule macht, aktuell berichtet der blog über die besetzung und darum herum.

Oktober 14, 2009

weisheiten der woche

1) deutschland wird das finanzierungsproblem der österreichischen hochschulen nicht lösen – das hat die hiesige politik selbst verantwortet.

2) studiengebühren haben leute vom studieren abgehalten - dieses semseter gibts ob der teilweisen abschaffung der gebühren 15% mehr erstsemestrige als im letzten jahr, das ist toll.

3) die österreichischen hochschulpolitikerInnen sind nicht sehr innovativ – studiengebühren und zugangsbeschränkungen sind zum pawlov-reflex geworden.

4) kurt schuschnigg hängt als ölgemälte im bmwf an der wand

5) hahn ist schizophren. einerseits will er eine höhere akademikerInnenquote in österreich und “keine zusätzlichen barrieren einführen” (ausgleichszahlungen), andererseits findet er es ganz schlimm dass jetzt auf einmal so viele junge leute studieren wollen.

6) auch die HEUTE interessiert sich für studierende

7) karl heinz grasser muss in der blogosphäre mehr ächtung erfahren. es gilt die schuldüberzeugung.

Oktober 8, 2009

Ausgeränkt.

Das “Times” – Ranking für Hochschulen ist da. Ein weiteres in der unendlichen Reihe der Reihungen, bei der eine Uni der anderen dann die lange Nase zeigen kann und ein “ich bin besser als ihr” in Richtung der unteren Plätze nölt.

Nun ist die Uni Wien wie eine Schlammlawine vom Platz 115 auf 132 gerutscht – welch Schmach, welch Schande. Und was sagt Johannes Hahn dazu? Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen! Dann wird alles besser!

Es folgt: die genauere Betrachtung.

Was sind eigentlich die Kriterien dieses Hochschulrankings? derstandard hat das in seinem artikel kurz zusammengefasst, und auch hier ist die “Scorecard” zu finden.

Die zeigt deutlich: 40% der Bewertung sind daraus entstanden, dass 10000 WissenschaftlerInnen befragt wurden, was ihrer Meinung nach tolle Universitäten sind. Der Rest der Kriterien setzt sich aus Internationalität (wie viele AusländerInnen finden sich bei Lehrenden und Studierenden?), Qualität der Lehre (wie viele Lehrende pro StudentIn) und Forschung und Chancen am Arbeitsmarkt (die Wirtschaft wurde befragt).

Der/die aufmerksame LeserIn wird jetzt sagen: “Und warum sollten Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren die Sache besser machen? Das hat mit den gezogenen Kriterien des Rankings überhaupt nichts zu tun.” – ja EBEN! Zwischen den Faktoren des Rankings und Studiengebühren/Zugangsbeschränkungen gibt es keine nachvollziehbare Kohärenz!

Und das zeigt auch die Realität: Von den österreichischen Universitäten ist die Uni Wien die größte und diversifizierteste, und sie ist im Gegensatz zu medizinischen Universitäten oder Fachhochschulen in vielen Bereichen nicht zugangsbeschränkt .  Rund 80% der Studierenden dort zahlen keine Studiengebühren. Und bei aller Liebe – weder die Med Unis noch eine beliebige FH hats in die Top 200 geschafft.

Lösungsansätze?

Wie die Unis bei Rankings zukünftig besser abschneiden können weiß ich nicht, ich halt es aber auch nicht für sonderlich zentral. Zuerst bräuchte es eine ernszunehmende Diskussion darüber, welche Maßstäbe an Unis überhaupt anzulegen sind, um sie für “gut” oder “schlecht” zu erklären – alleine WissenschaftlerInnen nach ihren Meinungen zu fragen find ich unseriös. Für das österreichische Hochschulwesen gilt nach wie vor: mehr Geld für den tertitären Bereich und ein gemeinsames Schulsystem im primären und sekundären Bereich. Und dann, erst dann diskutieren wir wieder über Rankings.

Oktober 1, 2009

mc gonagall

eva

um die frage mal in den raum zu stellen – glaubt ihr, sie hatte was mit dumbledore?